Vom Kaffeevollautomaten bis zur Computermaus: Schweizer Erfindungen, die bei dir zu Hause stehen
Inhalt
- Der Kaffeevollautomat: perfekter Espresso dank Schweizer Technik
- Der Stabmixer: eine Schweizer Erfindung
- Der Flachbildschirm: Schweizer Physik hinter fast jedem Pixel
- Die Computermaus: von der EPFL zur Weltmarke Logitech
- Weitere praktische Schweizer Erfindungen
- FAQ
- Fazit: Ein Stück Schweiz in fast jedem Haushalt

Foto: swisshipo
Kaffeevollautomat, Stabmixer, Flachbildschirm, Computermaus: Diese Schweizer Erfindungen findest du bei dir zu Hause.
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Am 1. August denkt man an Höhenfeuer und Feuerwerk, an rot-weiss geschmückte Balkone, an den Cervelat vom Grill und das 1.-August-Weggli zum Brunch. An den Kaffeevollautomaten in der Küche denkt dabei niemand – und schon gar nicht daran, dass er, der Stabmixer und sogar der Bildschirm, auf den du gerade schaust, Schweizer Wurzeln haben. Wir zeigen dir vier solche Alltagsgeräte und liefern zum Schluss ein paar weitere Schweizer Erfindungen, mit denen du am Nationalfeiertag punkten kannst.
Der Kaffeevollautomat: perfekter Espresso dank Schweizer Technik
Frisch gemahlene Bohnen, der richtige Druck, und keine Minute später steht der Espresso in der Tasse: Der Kaffeevollautomat ist in vielen Küchen selbstverständlich – und das Gerät, wie wir es heute kennen, trägt eine deutliche Schweizer Handschrift.
Verantwortlich dafür ist massgeblich der Ingenieur Arthur Schmed aus Rüti im Kanton Zürich. Ende der 1970er-Jahre übertrug er das Prinzip der Espressomaschine – hoher Druck, kurze Brühzeit – auf einen Automaten, der den gesamten Vorgang selbst erledigt. Um 1980 stand sein erster funktionsfähiger Prototyp; nach einigen weiteren Jahren der Entwicklung kam die Technik 1985 über die Schweizer Firma Solis als Weltneuheit auf den Markt.
Schmed steckt aber nicht nur hinter der Erfindung, sondern auch hinter einer der bekanntesten Marken der Branche: 1981 gründete er zusammen mit dem italienischen Unternehmer Sergio Zappella die Firma Saeco. Der Name ist eine Kurzform von «Sergio, Arthur e Compagnia» – das «A » steht also für den Schweizer Erfinder. Saeco zählt bis heute zu den grossen Namen bei Kaffeevollautomaten.
Ganz am Anfang stand die Schweiz allerdings nicht. Bereits in den 1960er-Jahren baute der deutsche Erfinder Otto Bengtson in Berlin einen Kaffeevollautomaten mit integrierter Mühle, der in den 1970er-Jahren zum deutschen Verkaufsschlager wurde. Sein Gerät arbeitete aber noch ohne den hohen Druck der Espressomethode und war vor allem für Gaststätten und Büros gedacht. Der entscheidende Schritt zum Espresso-Vollautomaten für zu Hause gelang erst Schmed: Denn erst der hohe Druck, mit dem heisses Wasser durch fein gemahlenes Pulver gepresst wird, macht den Kaffee konzentriert und sorgt für die typische Crema – und genau das automatisierte Schmed vollständig, vom Mahlen der Bohnen bis zur fertigen Tasse.
Beliebte Kaffeevollautomaten
Der Stabmixer: eine Schweizer Erfindung
Suppe pürieren, Mayonnaise aufschlagen, Smoothie mixen: Der Stabmixer gehört zur Grundausstattung jeder Küche – und er ist eine Schweizer Erfindung. Am 6. März 1950 meldete der Westschweizer Roger Perrinjaquet in Lausanne ein Gerät zum Patent an, das er «appareil ménager portatif» nannte, also tragbares Haushaltsgerät. Die Patentschrift beschreibt den weltweit ersten Stabmixer.
Bekannt wurde die Erfindung unter dem Namen «Bamix», zusammengezogen aus dem Französischen «battre et mixer», schlagen und mixen. Perrinjaquet verkaufte sein Patent 1954 an die Firma ESGE, die zunächst in Deutschland fertigte. Seit 1960 läuft die Produktion im thurgauischen Mettlen, wo der Bamix bis heute in der Schweiz hergestellt wird: Die Motoren werden von Hand montiert und einzeln geprüft. Dass bis zu 400'000 Geräte pro Jahr aus dem rund 500-Seelen-Dorf in über 40 Länder gehen, zeigt, wie gut die Erfindung bis heute funktioniert.
Stabmixer von Bamix
Der Flachbildschirm: Schweizer Physik hinter fast jedem Pixel
Diese Schweizer Erfindung ist die unscheinbarste – und steckt trotzdem in unzähligen Geräten, die du besitzt. Am 4. Dezember 1970 meldeten die Physiker Martin Schadt und Wolfgang Helfrich im Zentrallabor des Basler Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche ein Patent an: die «nematische Drehzelle», heute meist Schadt-Helfrich-Zelle oder Twisted-Nematic-Zelle (TN-Zelle) genannt. Sie wurde zur Schlüsseltechnologie der Flüssigkristallanzeige, kurz LCD.
Das Prinzip dahinter ist ebenso simpel wie folgenreich: Ohne anliegende Spannung drehen die Flüssigkristalle die Schwingungsrichtung des Lichts, bei angelegter Spannung nicht mehr – und genau über diese Spannung lässt sich jeder einzelne Bildpunkt hell oder dunkel schalten. Weil das kaum Strom braucht, eignete sich die Technik ideal für Taschenrechner und Uhren sowie später für Monitore, Fernseher und die Displays von Digitalkameras. Roche lizenzierte sie weltweit an die Uhren- und Elektronikindustrie und legte damit einen Grundstein für flache Bildschirme.

Foto: splitov27
Die Computermaus: von der EPFL zur Weltmarke Logitech
Die Maus neben deiner Tastatur hat mehrere Wurzeln – amerikanische und schweizerische. Erfunden hat sie der US-Amerikaner Douglas Engelbart, der sie 1968 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte: ein Klotz aus Holz, der den Cursor über zwei Rädchen bewegte. Von der Präzision heutiger Mäuse war das aber noch weit entfernt.
Einen wichtigen Schritt zur modernen Maus machten in den 1970er-Jahren Forscher an der EPFL in Lausanne. Professor Jean-Daniel Nicoud und der Feinmechaniker André Guignard, ein gelernter Uhrmacher, ersetzten die bis dahin üblichen Potentiometer durch optische Encoder, welche die Drehung einer eingebauten Kugel abtasteten. Diese opto-mechanische Kugelmaus war robuster und präziser und wurde in Kleinserie beim Uhrenhersteller Dépraz gefertigt.
Ihr kommerzielles Potenzial erkannte der EPFL-Absolvent Daniel Borel. 1981 gründete er im waadtländischen Apples zusammen mit Pierluigi Zappacosta und Giacomo Marini die Firma Logitech; ein Jahr später kam die Maus als Logitech P4 auf den Markt. Auch der Name verrät die welsche Herkunft: «Logitech» verbindet «logiciel», das französische Wort für Software, mit «technologie». Aus dem kleinen Waadtländer Start-up wurde einer der grössten Hersteller von Computerzubehör weltweit, dessen Mäuse, Tastaturen und Webcams heute auf Millionen Schreibtischen liegen.
Logitech-Mäuse
Weitere praktische Schweizer Erfindungen
Schweizer Erfindergeist beschränkt sich nicht auf Küchengeräte und Technik. Wer am 1. August am Grill oder am Höhenfeuer mit überraschendem Wissen glänzen will, nimmt am besten diese vier Geschichten mit:
- Der Klettverschluss ist eine Schweizer Idee: Der Waadtländer George de Mestral kam darauf, weil sich Kletten im Fell seines Hundes verhakten. Heute steckt das Prinzip in Schuhen, Jacken – und in den Kabelbindern hinter deinem TV-Möbel.
- Das World Wide Web wurde in der Schweiz geboren: Tim Berners-Lee entwickelte es 1989 am Forschungszentrum CERN bei Genf. Er selbst ist Brite – der Geburtsort des Web liegt aber in der Schweiz.
- Die Milchschokolade, wie wir sie kennen, geht auf Daniel Peter aus Vevey zurück: 1875 entwickelte er mithilfe der Kondensmilch seines Nachbarn Henri Nestlé die erste kommerziell erfolgreiche Milchschokolade
- Cellophan – die knisternde, durchsichtige Folie um Blumensträusse und Guetzlisäckli – geht auf den Schweizer Chemiker Jacques Brandenberger zurück, der das Verfahren Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte.

Foto: Freer
FAQ
Welche bekannten Alltagsgeräte sind Schweizer Erfindungen?
Zu den bekanntesten gehören der Espresso-Vollautomat von Arthur Schmed, der Stabmixer «Bamix» von Roger Perrinjaquet und die Twisted-Nematic-Zelle (TN-Zelle) für Flüssigkristallanzeigen (LCD), die auf Martin Schadt und Wolfgang Helfrich zurückgeht. Auch die moderne Computermaus und die Firma Logitech haben Schweizer Wurzeln.
Wer hat den Kaffeevollautomaten erfunden?
Das kommt darauf an, welchen man meint: Den ersten Kaffeevollautomaten mit eingebauter Mühle baute in den 1960er-Jahren der deutsche Erfinder Otto Bengtson. Den Espresso-Vollautomaten, wie er heute in vielen Küchen steht, entwickelte der Schweizer Ingenieur Arthur Schmed: Sein Prototyp entstand um 1980, 1985 kam die Technik auf den Markt.
Ist der Stabmixer wirklich eine Schweizer Erfindung?
Ja. Der Schweizer Roger Perrinjaquet meldete 1950 den weltweit ersten Stabmixer zum Patent an. Bekannt wurde er als «Bamix», der bis heute im thurgauischen Mettlen in der Schweiz gefertigt wird.
Was hat die Schweiz mit Bildschirmen zu tun?
Eine Schlüsseltechnologie vieler Bildschirme – die Schadt-Helfrich- bzw. TN-Zelle – wurde 1970 bei Hoffmann-La Roche in Basel zum Patent angemeldet. Sie bildet bis heute eine Grundlage der LCD-Technologie, die in zahllosen Monitoren, Laptops und Fernsehern steckt.
Kommt die Computermaus aus der Schweiz?
Erfunden hat die Maus der US-Amerikaner Douglas Engelbart. Eine wichtige, alltagstaugliche Kugelmaus mit optischen Encodern entstand aber an der EPFL in Lausanne und wurde zur Grundlage von Logitech – 1981 im Kanton Waadt gegründet und heute eine weltweit renommierte Marke.

Foto: Dmitry
Fazit: Ein Stück Schweiz in fast jedem Haushalt
Schweizer Erfindergeist zeigt sich nicht nur beim Sackmesser: Er steckt im Kaffeevollautomaten auf der Anrichte, im Stabmixer in der Schublade, im Bildschirm an der Wand und in der Maus auf dem Schreibtisch. Der 1. August ist ein guter Anlass, diese kleinen Alltagshelden einmal bewusst anzuschauen. Und falls einer davon nicht mehr richtig mitmacht, muss er nicht gleich ersetzt werden: An der Smartbar in deinem MediaMarkt werden Geräte vom Smartphone über den Computer bis zur Kaffeemaschine repariert und gereinigt.
