5G: Fluch oder Segen?

5G Technolgie verspricht sagenhaft schnelle Datenübertragung, aber zu welchem Preis?

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5G soll das nächste grosse Ding im Bereich kabelloser Datenübertragung werden, man spricht von Übertragungsraten von bis zu 10’000 MBit/s, minimalem Stromverbrauch und unglaublich niedrigen Latenzzeiten. Aber auch von grossen Risiken für die Umwelt und für die Gesundheit von Mensch & Tier. Wir fassen zusammen.

Was kann 5G?

Die Nachfolgetechnologie von 4G bzw. LTE soll gemäss der Industrie um ein Vielfaches potenter sein als seine Vorgängerin. Dabei aber auch noch den Akku des Gerätes schonen, Latenzzeiten von unter 1 Millisekunde aufweisen und beim Datentransfer weniger Strom verbrauchen. Konkret spricht man von den folgenden Zahlen:

– 100x höhere Übertragungsrate als 4G = bis zu 10’000 MBit pro Sekunde
– Gleichzeitige Ansprache von bis zu 100’000’000’000 verschiedenen Geräten weltweit
– Latenzzeiten (Ping) von weniger als 1 Millisekunde
– Bis zu 90% niedrigerer Stromverbrauch, abhängig vom Dienst
– Stromverbrauch tausendmal kleiner pro Bit

Das hört sich ja alles schön und gut an, die effektiven Werte werden jedoch variieren und sind von verschiedenen Faktoren wie Abdeckung, Umgebung, Wetter und so weiter abhängig.

Was ist der Unterschied zwischen 4G und 5G?

Wir packen die Fakten der 4G Technologie zusammen mit den theoretischen Werten des neuen 5G Standards in eine Tabelle und lassen sie gegeneinander antreten:

4G5G
Maximaler Downstream 150 MBit/s 10 GBit/s
Latenz (Reaktionszeit) 50 ms 1 ms
Genutzte Frequenzen 0.8 - 2.6 GHz 0.8 - 6 GHz (bis 300 GHz möglich)

Wann kommt 5G?

In der Nacht auf den 17.04.2019 hat die Swisscom in 54 Ortschaften der Schweiz mittels 102 Antennen das 5G Netz aktiviert und der Rest der Schweiz soll bis Ende Jahr folgen. Damit war die Swisscom aber nicht der erste Mobilfunkanbieter in der Schweiz, der 5G anbietet: Sunsrise hat anfangs April die ersten 150 Ortschaften mit 5G Abdeckung versorgt – jedoch limitiert auf die Sunrise Internet Box 5G. Salt startet mit 5G nach aktuellen Angaben im Spätsommer / Herbst 2019.

Welche Geräte unterstützen 5G?

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Liste mit 5G-fähigen Geräten recht überschaubar.

Xiaomi hat ihrem Mi Mix 3 eine 5G Antenne verpasst, dieses Modell wird aber vorerst nur in China verkauft – die hiesigen Modelle verfügen nur über eine 4G Antenne.

Samsung wird ein 5G Smartphone auf der Basis des S10 bringen, aktuell kann man sich auf der Seite von Samsung für entsprechende Benachrichtigungen registrieren.

Apple hält sich zum Thema 5G ziemlich verdeckt und wird wohl erst in 2020 in den Markt vordringen. Die Verträge mit Qualcomm sind jedoch unterschrieben, man darf also gespannt sein.

Sobald wir von unseren Industriepartnern mehr Informationen erhalten werden wir euch hier natürlich entsprechend informieren.

Wie gesundheitsschädigend ist 5G?

So glänzend die 5G Medaille auch sein mag, es gibt eine Kehrseite, die alles andere als schillert. Viele Studien weisen darauf hin, dass die elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung die menschliche Gesundheit schädigen kann. Als mögliche Auswirkungen werden Schädigungen am männlichen Samen oder etwa das hohe Krebsrisiko genannt. Der Grund dafür findet sich auf der glänzenden Seite: die wesentlich schnellere Datenübertragung verlangt nach einem Ausbau des Mobilfunknetzes – mehr Antennen = mehr Strahlung. Und eben dieser Strahlung wäre man so oder so ausgesetzt, egal ob man ein 5G Smartphone besitzt oder nicht.

Bisher wurden Kritiker oder Warner wegen ihrer Meinung zum Teil belächelt, als Verschwörungstheoretiker abgestempelt und haben den Aluhut aufgesetzt bekommen. Bei der aktuellen 5G Diskussion werden aber immer mehr kritische Stimmen laut und sowohl Wissenschaftler als auch Ärzte verlangen nach einer Überprüfung der Risiken, neu berechneten (niedrigeren!) Grenzwerten der Strahlenbelastung und beharren auf den Ausbau der kabelgebundenen statt -losen Übertragungsnetzen.

Diesbezüglich hat der Mobilfunkanbieter Sunrise anfangs April 2019 klar kommuniziert, dass sie – nicht wie im Ausland – keine Frequenzen im mm-Bereich verwenden werden, sondern wieder frei gewordene Radio & TV Frequenzen. Generell werden in der Schweiz nur Frequenzbänder zwischen 700 MHz und 3,8 GHz verwendet – zusammen mit den geltenden Grenzwerten für Mobilfunkbelastung soll so eine Schädigung der Gesundheit von Mensch, Tier und der Natur verhindert werden.

(K)Ein Herz für Aluhüte.

Rund um das Thema 5G kommt es auch immer wieder zu Falschmeldungen und wir wollen hier gerne etwas aufräumen. Es folgen fünf Fake News (unsere Favoriten), die mit Fakten widerlegt werden können.

Mobilfunk ist schädlich.

Das möchten wir zwar nicht gänzlich ausschliessen, aber sämtliche Studien wurden mit Gegebenheiten durchgeführt, die weit über den in der Schweiz geltenden Strahlungsgrenzwerten liegen. Die Resultate sind deswegen nicht zwingend falsch, aber für die Schweiz nicht anwendbar. Hinzukommt, dass die Mehrheit der Studien die Voraussetzungen der empirischen Forschung nicht erfüllen. Mehr dazu im NZZ Artikel zum Thema „5G und die Debatte um Strahlung: Der Glaubenskrieg geht in die nächste Runde“.

5G ist ein Bienenkiller.

Falsch. Sogar das Forschungsinstitut Agroscope, wohlgemerkt ein Teil des Bundesamtes für Landwirtschaft, widerspricht der Aussage, dass Handystrahlen ganze Bienenvölker ausradiert. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter von Agroscope sagt dazu: „Alle bisherigen Studien zu diesem Thema konnten nicht bestätigen, dass Elektrosmog für Bienen problematisch ist.“ Nachzulesen im Artikel „Bienensterben: Imker gibt Handystrahlung die Schuld“ der Berner Zeitung.

Das Militär setzt 5G als Waffe ein.

Aluhüte auf und den eisernen Vorhang runter! Energiewaffen arbeiten im 95 GHz Frequenzbereich – das Bundesamt für Kommunikation hat anfangs diesen Jahres 5G Frequenzen im Bereich um 0.7, 1.4 und 3.5 GHz versteigert. In der Schweiz wird das 95 GHz Frequenzband für Satellitennavigation und Radioastronomie verwendet. Ihr merkt den Unterschied, gell – Netter Versuch!

Krebs durch 5G.

Auch wenn nicht zu 100% widerlegt werden kann, dass Handystrahlung krebserregend ist – zumal der Krebs leider immer noch eine der häufigsten Todesursachen in der Schweiz ist – kann diese Aussage als Falschmeldung abgestempelt werden. Gemäss der Krebsliga sind die Unterschiede zwischen der 4G und 5G Technologie und damit auch die Wirkung auf den menschlichen Körper kaum zu erwähnen. Durch 5G Technologie verursachte Strahlung wird vom IARC, der internationalen Krebsforschungsagentur, als „möglicherweise krebserregend“ deklariert und der Klassifizierungsgruppe 2B zugewiesen.

Fun Fact: Der Klassifizierungsgruppe 2B gehören auch Stoffe wie Aloe Vera Extrakt aus ganzen Blättern, Kaffee, die Tätigkeit als Feuerwehrmann oder Ginkgo Biloba (eine chinesische Baumart, die weltweit verbreitet ist) Extrakt an.

Grosses Vogelsterben wegen 5G.

Bei einem 5G Testlauf in Holland sollen hunderte Vögel gestorben sein. Todesursache: 5G Strahlung. Bullshit. Zu dieser Zeit haben in Den Haag keine Tests mit 5G Technologie stattgefunden. Die Todesursache der Vögel war aber tatsächlich das Essen von giftigen Eiben-Nadeln. Mehr dazu im Artikel „5G und die toten Vögel von Den Haag – Die ganze Geschichte“ von mimikama.at.

Und ihr so?

Wie steht ihr zum Thema 5G? Total dagegen? Extrem dafür oder sogar schon in den Genuss gekommen? Lasst hören!

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